Die Galerie Kalt


Die Galerie verfolgt seit drei Jahren mit ihren Künstlern ein transkontinentales Projekt. In ihm werden drei Stadtteile in München, Prag und Seoul miteinander in Beziehung gesetzt. Ausgehend von malerischen Grundfragen hat das Projekt auf die Architektur, die Urbanistik und zuletzt auch auf die Literatur ausgegriffen. Es begreift sich als einen ergebnisoffenen Prozess. Den Galerieraum im Münchner Westend nutzt das Projekt nicht nur als Präsentationsraum von entstandener Kunst, sondern auch als Atelier, also als einen Ort, an dem Kunst entsteht und an dem man dieses Entstehen betrachten kann, zu seinem Zeugen wird.

Das Projekt wird getragen von drei Malerinnen und Malern: Jinyoung Lee aus Kwachon, einem Stadtteil der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, Nina Kalt aus dem Münchner Westend und Patrik Hábl aus Holešovice, einem Stadtteil Prags. Den drei Künstlern ist eines gemeinsam: Sie arbeiten in ihrer Malerei gegenstandsbefreit und meiden so jede Form von Abbildlichkeit. Ihr einziges Äußerungsmittel sind die Farben selbst.

Abstrakte Malerei verstehen die Beteiligten zwar als Loslösung von der Objektwelt, dadurch werden für sie aber gerade nicht die Fragen nach der Herkunft, der eigenen Umgebung und den je eigenen Wünschen und Projektionen gleichgültig. Sie werden vielmehr in dieser Malerei weit stärker wahrnehmbar, als sie es in figurativer Malerei sein könnten, die stets mit dem Eigenleben wie der Eigendynamik der Objekte rechnen muss.

Oftmals geraten dabei Momente und Aspekte der Örtlichkeiten durch ihre Übersetzung in malerische, farbige Gebilde in den Vordergrund des Bewusstseins, die dort zuvor kaum anzutreffen waren oder im Unterbewussten schlummerten. So trieb die erste Projektphase aus dem Inneren der Bilder einen Diskurs über Städtebau und -planung an, der überraschende Strukturähnlichkeiten zwischen Holešovice und dem Westend ans Licht beförderte. Die zweite Projektrunde war gekennzeichnet durch ein Experiment: Der Galerieraum im Westend wurde zum gemeinsamen Atelierraum von Jinyoung Lee, die für mehrere Sommerwochen München besuchte, und Nina Kalt. Es entstanden dabei gemeinsam konzipierte und gemalte Bilder. In der Vorbereitung zur Präsentation dieser Werke fiel auf, wie wichtig der Begriff der Übertragung – wörtlich die Metapher – für diesen Projektabschnitt geworden war. Um diese Tatsache noch deutlicher hervortreten zu lassen, entschlossen sich die Teilnehmer, Gedichte des tschechischen Immunologen und Dichters Miroslav Holub, ausgewählt von seinem Sohn, dem tschechischen Filmkurator Radovan Holub, zwischen den Bildern zu platzieren.

Die im Frühsommer 2015 präsentierte Projektphase umfasst erstmals alle vier beteiligten Künstlerinnen und Künstler. Erneut ist Miroslav Holub posthum mit drei Gedichten anwesend. Neue Arbeiten von Jinyoung Lee, Nina Kalt und Patrik Hábl dokumentieren dabei die wechselseitigen Einflüsse der Malenden untereinander. Leitthema dieser Ausstellung ist der Perspektivenwechsel, der sich aus dem Nebeneinander von individuellen, künstlerischen und wissenschaftlichen Blickrichtungen ergibt.

Rüdiger Heise









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